Blicke des Regenbogens

Als ich meine Tochter vom Kindergarten abholen wollte, spielte diese mit ihren Freunden im Garten. Das Wetter war schön. Die Kinder liefen herum, einem ihrer Freunde rutschte ständig die Hose runter, weil der Hosenknopf und der Reißverschluss offen war. Es war ihm egal, er spielte einfach weiter, zog sich halt die Hose rauf, aber es hielt ihn nicht vom Spielen ab. Ich machte ihn darauf aufmerksam. Er blieb stehen und bat mich die Hose zuzumachen, weil er es selbst nicht konnte.

In einer normalen Welt, hätte ich mir nie darüber Gedanken gemacht, ob ich dem Kind die Hose zumachen soll. Diese Frage hätte ich mir nie gestellt, weil ich nie abnormales im Sinn gehabt hätte. Ohne Bedenken wäre ich dieser Bitte nachgekommen und hätte wahrscheinlich auch noch das Gefühl gehabt etwas Gutes gemacht zu haben. Aber nicht 2017, denn jahrelange linke Gehirnwäsche machte jeden Menschen zu einem Triebtäter, der es wagte eine Frau als eine solche anzusehen. Bei Kindern wurde man besonders aufmerksam, weil Männer ja nur Patriarchen sind.

Ich beschloss dem Kind zu sagen, dass es sich von einer Betreuerin helfen lassen soll. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich dem Kind nicht erklären konnte warum ich ihm nicht half. Natürlich hat es mich etwas komisch angesehen. Es ist eine Schande, dass man heutzutage nicht einmal mehr ohne Bedenken einem fremden Kind die Hose zumachen kann. Vermutlich wäre es eh folgenlos geblieben, aber alleine schon die Tatsache, dass man sofort an eine Stigmatisierung der Gesellschaft denkt, die man nicht mehr los wird, ist erschreckend.

Der Garten des Kindergartens liegt im Innenhof vom Citygate, rundherum hunderte Balkone. Die Wahrscheinlichkeit dabei beobachtet zu werden, wäre sehr hoch gewesen. Nein, ich habe keine Paranoia, es geht mir rein um die theoretischen Möglichkeiten, wie so eine Situation zu Missverständnissen führen kann. Selbst wenn man nicht schuldig ist, wird man den Ruf durch die Stigmatisierung der Gesellschaft nicht mehr los. Laufen auf der einen Seite nur Gutmenschen herum, und auf der anderen Seite nur Pädophile oder anderswertige Verbrecher? Gibt es denn die goldene Mitte nicht mehr? Die Menschen, die noch normal denken können, ohne sofort eine Rolle einnehmen zu müssen?

2 Kommentare

  1. Du hast vollkommen recht und absolut richtig gehandelt. Aber auch die kritische Sichtweise vieler Menschen bzgl dem Umgang von Erwachsenen mit Kindern verstehe ich, da in Vergangenheit viel zu viel passiert ist.

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  2. Ich hätte dem Kind geholfen, weil es selbstverständlich ist. Deinen erweiterten Gedanken nach magst du für dich schon richtig gehandelt zu haben, den es weiß keiner mehr wie seine Umgebung handelt und reagiert. Aber da du selbst mit deinem Kind da warst, hätte ich sicher nichts schlimmes gedacht, wenn ich dich dabei gesehen hätte. Jemand ohne Kind am Spielplatz … naja – da wurde ich schon mal genauer schauen und eventuell auch die nächste Betreuerin darauf anspechen. lg.

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