Gesinnungswahn – Linke kaufen nicht bei Rechten

Ein (fast missglückter) politischer Kauf, der überhaupt nicht absehbar war

Über die Plattform willhaben.at hatten wir eine Daunendecke zum Verkauf angeboten, die auch eine Käuferin fand. Wir haben uns völlig unproblematisch einen Termin für die Übergabe ausgemacht.

Sie kam zur ausgemachten Zeit zu uns, es war Abend und meine Frau hat unsere Tochter gerade ins Bett gebracht. Die ca. 30 Jahre alte Dame begutachtete die Decke, roch daran, knuddelte sie um zu spüren wie sich die Decke anfühlte, sie war mit dem Preis/Leistungsverhältnis sehr zufrieden und gab mir ohne zu feilschen das Geld. Ich dachte mir „Sehr gut, das wars„. Ich wollte die Wohnzimmertür öffnen und in dieser Bewegung fragte sie mich noch:

„Ich frage das normalerweise nicht, aber hat sich mit dieser Decke ein FPÖ-Wähler zugedeckt?“

Tja, ich begann zu schmunzeln, wusste worauf es jetzt hinaus lief. In meinem Kopf ratterte es, die Antwort wird entscheiden ob es zum Kauf kommt oder nicht. Es gab jetzt nur zwei Möglichkeiten: den gemütlichen Weg wählen, die Frage zu verneinen und den Kauf hinter mich bringen, oder den wahrscheinlich „ungemütlichen Weg“ zu gehen, zu meinen Ansichten stehen und mich auf eine Diskussion einlassen. Meine Antwort war daher „Ja wieso? Ist das ein Problem?„.

Ich wollte es jetzt wissen, stellte meine Prinzipien über das Geld, über den gemütlichen Weg. Auch in diesem Bereich muss eine Revolution statt finden, die in der Zivilgesellschaft zu spüren ist. Wenn fremde Menschen zusammenkommen, soll es zur Gewohnheit werden, auf Patrioten zu treffen, die keinen Hehl daraus machen. Vor allem auch mit Argumenten beweisen, dass Patrioten keine Nazis sind, denen sehr wohl der Unterschied dessen bewusst ist und Faschismus erkennen.

Dann hat sie mir mitgeteilt, dass Rechte menschenverachtend wären und sie sich deswegen mit so einer Decke nicht zudecken kann, jetzt wo sie es weiß. Ich fragte zurück „Wieso menschenverachtend?„. Das ging dann eine etwas längere Zeit hin und her, mehr als 1 Stunde. Im Wohnzimmer, im stehen. Viele Themen haben wir nur oberflächlich diskutiert, dabei ging es um die Seenotrettung, die Regierung (FPÖVP), Probleme in den Schulen durch Migrantenkinder, Propaganda der Oppositionsparteien (weil 12-Stunden-Tag erwähnt wurde), Unterschiede zwischen Linken & Rechten. Ich habe ihr erzählt, dass ich sozial sehr engagiert bin, einen Nachbarschaftsverein gegründet hatte, Obmann eines Talentetauschkreises war, Zivilcourage zeige und auch selbstlos sein kann. Das hat sie total überrascht, weil sie gedacht hat, dass Rechte asoziale Egoisten seien die den ganzen Tag nur an Hitler denken. Dass auch ich gegen die Regierung auf die Straße gehen würde, wenn die Regierung zu weit rechts abrutscht, hat sie ebenfalls sehr überrascht. Als wir über Rassismus gegen Weiße (in den USA) gesprochen hatten, meinte sie, dass sie ihn nachvollziehen konnte, dabei musste ich einmal schlucken und konnte diese Aussage kaum glauben, vor allem weil sie von Menschen kommt, die tatsächlich glauben, moralisch überlegen zu sein. Sie würde es auch nicht überraschen, wenn „morgen wieder der Faschismus vor der Tür stehen würde, bei dieser Regierung“.

Solche Aussagen haben dann von dem einen zum anderen geführt und dadurch hat sich die Diskussion in die Länge gezogen. Nachdem wir beide unsere Positionen ausgetauscht hatten, musste die Decke vorerst zu Hause bleiben, weil sie mir das Geld zurück gab. Ich war darüber echt überrascht, damit hätte ich nach dieser Unterhaltung nicht gerechnet, denn es bestand in keiner Sekunde Respektlosigkeit oder Gehässigkeit. Ich habe ihr sogar ein Getränk und einen Sitzplatz angeboten, aber sie hat abgelehnt. Weil ich es nicht fassen konnte, was da gerade passierte, habe ich mich kurzfristig dazu entschlossen einmal Klartext zu reden und ihr mitgeteilt, dass ich ihr Benehmen wirklich sehr idiotisch finde, mich diskriminiert und wie ein Untermensch fühle. „Kaufe nicht beim Juden“ wurde damals gesagt, also nicht weit von so manchen Linken entfernt. Ersichtlich bestürzt war sie, als ich ihr den Spiegel vorgehalten habe, denn einerseits tat ihr das eigene Verhalten leid, andererseits hatte sie ihre Ideologie im Kopf.

Meine Frau kam dann ins Wohnzimmer um nachzusehen, warum dies alles so lange dauerte. Wir standen dann zu dritt im Wohnzimmer und es war eine etwas merkwürdige Situation. Meine Frau fragte „Was da los sei?“, die Antwort war, dass die Decke doch nicht gekauft werden würde, weil sich damit ein FPÖ-Wähler zugedeckt habe. Meine Frau dachte anfangs es sei ein Scherz, doch einige Augenblicke später wurde sie eines besseren belehrt. Die Situation war so lächerlich, dass sie meine Frau fragte, ob sie jetzt die Decke kaufen würde oder nicht.

Schlußendlich gab sie mir dann wieder das Geld und nahm schweren Herzens die Decke mit, glücklich war sie damit nicht.

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